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Völlig untauglich: ATP Photofinder PDF Drucken E-Mail
Dienstag, 8. Juli 2008

Von Martin P. Gerner

(mpgtext) Selten war die Spanne zwischen Werbung und Wirklichkeit so gross: Der ATP Photofinder verspricht Fototagging "on the go" - also das Einfügen von GPS-Daten in Bilddateien auf der Speicherkarte ohne Computer. Kompatibel zu allen Digitalkameras soll das kleine Gerätchen sein, einfachst zu bedienen und mit einem Satz Micro-Batterien sieben Stunden laufen.

Meine Erfahrungen nach vierwöchigem Feldtest? Kurz gesagt: Das Gerät ist untauglich. Und ohne weitere Modifikation seitens des Besitzers eigentlich nur eines: Elektronikschrott.

 

In der Theorie funktioniert das Ganze einfach: Der Photofinder nimmt alle fünf Sekunden die GPS-Koordinaten in eine Logdatei auf, speichert sie in seinen Flash-Speicher ab. Schiebt der Fotograf seine SD-Speicherkarte in den Slot des Photofinders, werden in die EXIF-Daten der Bilder automatisch die Koordinaten eingefügt.

Dass das Ganze nur mit JPG-Dateien funktioniert und für andere als SD-Karten nur mit einem zusätzlich über USB angeschlossenen Kartenleser funktioniert, erwähnt die Produktwebsite. Immerhin.

 

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht ganz anders aus: Weil sowohl das Batteriefach wie auch die Batteriekontakte erbärmlich schlecht - um nicht zu sagen: grottenfalsch - konstruiert sind, wird die Stromversorgung des ATP Photofinders dauernd unterbrochen.

Für Batterien und Akkus, die exakt der Norm der AAA-Baugrösse entsprechen, ist das Fach des Photofinders schlichtweg nicht tief genug. Und: Der Pluskontakt an einem Fach-Ende wird aus einer konischen Spiralfeder mit winziger Kontaktfläche gebildet - Spiralfedern nimmt man eigentlich nur für Massekontakte.

 

Konkret bedeutet das, dass es absolute Glückssache ist, ob der Pluspol der rechts liegenden Batterie tatsächlich Kontakt findet oder nicht.

In den ersten zwei Wochen meines Praxistests (der Photofinder war an der Aussentasche meiner Fototasche befestigt) ist es mir nicht ein einziges Mal gelungen, mehr als 72 Minuten ohne Unterbrechung der Spannungsversorgung GPS-Daten aufzuzeichnen!

Dann hat es mir gereicht und ich habe den Photofinder aufgeschraubt, um den mies plazierten Spiralfederkontakt durch eine tauglichere plane Metallfläche zu ersetzen. Da hat mich dann schier der Schlag getroffen: Die beiden Federchen, die den Kontakt zu den Batterien herstellen, sind ohne weitere mechanische Sicherung lediglich an zwei Lötpunkten angelötet. Eine Lötstelle war "kalt" - es konnte also ab Werk keine gute Verbindung zustande kommen. Selbst wenn alles ok gewesen wäre, ist diese Befestigung von mechanisch dauernd beanspruchten Teilen mehr als amateurhaft.

Nachdem ich Spiralfederchen durch ordentlich gelötete kurze Kabelverbinder ersetzt habe und den besagten Pluskontakt mit einem Blechstreifen gesichert hatte, gab's in der Restzeit meines Tests (der nur so lange dauerte, weil ich mir unbedingt sicher sein wollte, dass dieser Veriss des Geräts gerechtfertigt ist!) zumindest keine Strom-Aussetzer mehr.

Am Stück Daten aufgezeichnet hat der Photofinder trotzdem nicht. Die Verbindung zu den GPS-Satelliten hat er dauernd verloren. Und die verwendeten Eneloop-Akkus (die zum Besten gehören, was die gegenwärtige Akkutechnologie hergibt) haben gerade mal für durchschnittlich 2-3 Stunden Betriebsdauer gereicht, bevor das Gerät - stets ohne optische Vorwarnung, wie die oberflächliche und von Fehlern nur so strotzende englische Betriebsanleitung verspricht - abgeschaltet hat.

In die EXIF-Datensätze der mit der Nikon D40 und D80 aufgenommenen Bilder hat der ATP Photofinder nur bedingt die Koordinaten geschrieben - selbst trotz entsprechend vorhandener kompletter Logfiles. Viele Bilder - geschätzt etwa die Hälfte - hat er einfach ignoriert.

Noch schlimmer sah es bei mir mit CF-Karten aus. Die im Manual versprochene direkte Verbindung zwischen Kamera und Photofinder hat bei der Fuji S5 Pro und der D200 kein einziges Mal geklappt. Sämtliche im Büro verhandenden Kartenleser (sieben an der Zahl) waren inkompatibel mit dem Photofinder: Er konnte keine Daten erkennen und meldete auf dem erbärmlich schlecht lesbaren Mini-Display in 2 mm (!) grosser Schrift "Please remove cards!". Aha. Das nächste Bild zeigt den Photofinder in eingeschaltetem Zustand. Können Sie eine Schrift auf dem Display erkennen?

Die von der ATP Website erhältliche Software, mit der laut Werbung Tagging-Probleme umgangen werden sollen, war unter Vista nicht und unter XP nur bedingt lauffähig. Auf irgendeine Art Dokumentation oder implementierte Hilfe haben die Entwickler hier verzichtet.

Braucht es aber auch nicht: Auch bei auf den Computer überspielten Logfiles des Photofinders ignorierte die Software immer wieder Bilder, die dann schlichtweg ungetaggt blieben. Nochmal: Trotz vorhandener Koordinaten in den Log-Dateien...

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Batteriefachdeckel des Photofinders nur mit roher Gewalt und mit schmerzenden, weil abgebrochenen Fingernägeln zu öffnen ist und das kontrastarme Display im Freien absolut unlesbar ist.

Ich kann mit sehr gutem Gewissen dringend vom Kauf des Geräts abraten. Mir ist in den letzten Jahren selten ein dermassen untaugliches Elektronik-Teil (für das selbst 10 Euro oder weniger statt der geforderten 90 zuviel wären) untergekommen: NICHT kaufen!

 

 

 



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Bernie  - Stimmt!   |2008-07-08 12:50:26
Die Stromausfälle hatte ich bei meinem Fotofinder auch und auch die Baterie hat
nie lange gereicht. Liegt nur noch in der Schublade.

3.25 Copyright (C) 2007 Alain Georgette / Copyright (C) 2006 Frantisek Hliva. All rights reserved."

 
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